Familientherapie: Familie B.

Wir waren am Ende unserer Kräfte und befassten uns schon mit dem Gedanken, ihn fremdplatzieren zu müssen. Da unter dieser Situation auch unsere anderen zwei Kinder sehr litten, schlug uns die Schulpsychologin vor, es mit einer Familientherapie zu versuchen, bevor wir einen solch wichtigen Entscheid treffen würden. Mit wenig Begeisterung stimmten wir zu.

Während der Therapie durften wir für uns zwei wichtige Erfahrungen machen. Die Eine war, dass wir wieder lernten, Liebe für unseren Jungen zu spüren und wir uns bewusst wurden, dass er uns in erster Linie als liebende Eltern braucht, auch wenn er nicht pflegeleicht ist. Die Zweite war aber auch, dass Lieben nicht bedeutet, alles hinzunehmen, was er tut. So kamen wir langsam zu einem konstruktiveren Erziehungsstil. Die Devise heisst heute, liebevoll, aber klar und konsequent mit all unseren Kindern sein. Durch diese Therapie hat sich unsere Familiensituation sehr entspannt und wir als Eltern haben die Angst verloren, die uns so oft lähmte und uns das Gefühl gab, dass wir es nicht schaffen könnten.

Die Begleitung von Frau Sommer erlebten wir als sehr einfühlsam und lehrreich. Wir konnten mit allen Fragen zu ihr kommen und bekamen nie das Gefühl, schlechte Eltern zu sein. Im Nachhinein haben wir erkannt, dass wir vieles im Umgang mit unserem ADHS-Kind nicht wussten und daher oft genau das taten, was nicht gerade hilfreich war.

Ihr Fachwissen gab uns immer wieder Sicherheit. Wir staunten, wie man auch in der Erziehung mit Kreativität manche schwierige Situation (z.B. Aggression) angehen und entschärfen kann. T. ist heute ein fröhlicheres und selbstbewussteres Kind geworden. Er hat gelernt, konstruktiver mit seinen Gefühlen umzugehen. Dadurch beisst und schlägt er nicht mehr. Auch seine Geschwister haben dadurch die Beziehung zu ihm wieder aufgenommen.

Wir müssen zugeben, dass es ein hartes Stück Arbeit war. Manchmal, wenn es wieder Rückschläge gab, verliess uns der Mut. Dann war uns die feste Überzeugung von Frau Sommer immer wieder eine Stütze, dass sich Gegebenheiten lösen lassen, wenn wir die Art und Weise unserer Erziehungsmethode umformen. Wir gehen heute nur noch sporadisch zu ihr, z.B. wenn grosse Veränderungen anstehen (neue Schulklasse usw.) Wir sind froh, sie als vertrauensvolle und fachlich sehr kompetente Person im Hintergrund zu wissen.

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